Besuch über Besuch, kranke Sprachen und neue Arrangements
Autor: Christine | Datum: 05 Mai 2012, 15:40 | 0 Kommentare
Erstmal muss ich mich entschuldigen, dass jetzt länger nichts mehr von mir gehört habt, aber unser Internet hat sich mal wieder von uns verabschiedet und ins Internetcafé komme ich eben nur selten. Dafür habe ich jetzt etwas länger zu erzählen, ja, ich weiß, das ist nicht am angenehmsten zu lesen, aber los geht’s!
Nicht nur, dass das Internet uns im Stich lässt, nein, seit über 2 Wochen haben wir auch schon kein fließend Wasser mehr im Zentrum. Damit sind unsere 3 x 1Tonne Wasserkanister jetzt auch leer. Freitag Abend nach unserer Evaluation hieß das dann für alle die 2 gesunde Beine haben, Wasserholen am Brunnen. So haben wir also alle Eimer und sonstigen nützlichen Behälter zusammen gesucht und uns auf zum Brunnen gemacht, der ein kleines Stück vom Zentrum entfernt ist. Also wir dann 3 Touren gelaufen sind, war dann auch der Brunnen leer, bzw. die Kordel zu kurz. Aber erst einmal haben wir jetzt wieder ein paar Eimer für jeden. Und sonst hoffe ich einfach sehr, dass sich dieser Zustand bald wieder ändert ;)
Seit Mitte Februar haben wir im Zentrum eigentlich fast durchgehend Besucher gehabt. Erst war Miriams Freund da, dann kam ihr Vater und bei mir waren Katha und Jannik zu Besuch und als die beiden abgeflogen sind, kam eine Delegation einer Behinderteneinrichtung “Wittekindshof” in Bad Oeyenhausen an, um sich für zwei Wochen die Arbeit in unserem Zentrum anzuschauen.
So kamen also Annette mit ihrer 20-jährigen Tochter Kathi als Dolmetscherin und Diakon Dirk. Mit Kathi habe ich mich auf Anhieb gut verstanden. Sie war jetzt nach dem Abi für 9 Monate in Frankreich und ist für den Trip nach Kamerun wieder gekommen. Ja, als ich Kathi so Französisch sprechen gehört habe, ist mir erstmal wieder klar geworden, wie fließend und wenig hart/aggressiv, wie schön die französische Sprache eigentlich ist! Kathi hatte anfangs echt Probleme die Kameruner verstehen zu können und meinte zu mir, dass ich genau den selben Slang hätte wie die Kameruner und sie mein Französisch auch nur schwer versteht. Und ich dachte, ich lerne hier Französisch, aber mit der Sprache der Franzosen hat mein Kauderwelsch offensichtlich nur wenig zu tun. Das fängt bei dem dreckigen Dialekt an, geht über eine miserable Grammatik bis hin zu Wörtern, die die Kameruner nutzen, ein Franzose aber niemals in den Mund nehmen würde.
Ich klinge jetzt also offiziell wie ein Afrikaner, wenn ich eine europäische Sprache spreche. In Frankreich kann ich mich also erstmal nur in speziellen Vororten blicken lassen, was will ich mehr :D
Naja, auf jeden Fall habe ich mich auch über diesen Besuch sehr gefreut. Es gab noch mal Zeit, die Arbeit hier zu reflektieren und auch so ist es immer wieder schön jemanden von zu Hause hier zu haben, zumal Bad Oeyenhausen wirklich nicht weit weg von Versmold ist und ich gewiss noch einmal bei Annette und Kathi und im Wittekindshof vorbei schauen werde!
Trotz allem ist Besuch auch immer etwas anstrengend, man ist immer präsent, ich habe mich stark verantwortlich für das Wohl meiner Schwester und Jannik gefühlt und gerade während des Besuches der Delegation fingen meine Arbeitstage morgens um 7 an und hörten oft erst abends um 20:30Uhr auf. Das alles war vielleicht einfach ein bisschen zu anstrengend und aufregend für mich, so dass ich die Woche erst einmal 2 Tage flach lag und mich entweder übergeben musste oder geschlafen habe. Aber nach diesem 2-Tages-Marathon bin ich jetzt auch wieder fit, war wohl einfach ein Aussetzer meines Körpers ;) Aber bis dahin, hatte ich hier außer den üblichen Magen-Darm-Beschwerden in einer fremden Essenskultur echt noch gar nichts und war und bin gesund!
Es hat sich aber noch etwas bei mir geändert. Seit ein paar Wochen arbeitet Miriam jetzt nur noch 3 Tage anstatt Vollzeit im AHP²V und dafür arbeitet sie jetzt Montags und Freitags im Krankenhaus in Bangua (etwa eine Stunde von Baham entfernt). Dort arbeiten auch Uli und Patrice, wenn sie nicht hier sind und bei den beiden wohnt Miriam auch für die Tage.
So fährt sie also Donnerstags nach der Arbeit mit Uli Und Patrice nach Bangua und kommt dann Dienstags morgen mit den beiden zum Arbeiten bis Donnerstag wieder ins Zentrum.
Es gibt verschiedene Gründe für diese Veränderung, einmal kam sie auch mit der Zeit nicht damit zurecht, so gut wie gar keine Privatsphäre zu haben und dazu kam dann noch, dass unser Chef, Zacharie, einen sehr schwierigen Charakter hat, mit dem sie nicht klar kommt. Ich kann ihre Gründe völlig nachvollziehen, es ist eine Herausforderung am selben Ort ohne Trennung zu Arbeiten und zu Wohnen, 7 Tage die Woche rund um die Uhr ansprechbar und abrufbar zu sein. Für mich war das anfangs auch heftig, aber ich habe mich daran gewöhnt und bin jetzt auch dankbar dafür, so einen engen Kontakt zu den Bewohnern zu haben, schaffe mir aber auch durch Ausflüge, einen Spaziergang oder klare Ansagen meine Auszeiten, anders geht es auch nicht.
Und Monsieur Zacharie, ja, der ist eine harte Nummer! Er liebt es zu predigen, lässt nicht mit sich diskutieren, Vorschläge lehnt er prinzipiell ab und man hat eben auch keinen Abstand zu ihm, es ist nicht so, dass er um 8 kommt und um 16 Uhr wieder geht, nein er kommt um halb acht und bleibt bis 18 Uhr, taucht am Wochenende auf, um zu kontrollieren, ob wir gefegt haben. Das ist anstrengend!
Das stört natürlich auch mich ziemlich, aber ich habe zumindest gelernt, mich nicht an jedem Wort von ihm aufzuhängen und manchmal eben einfach nur zu lächeln und zu nicken. Ich werde diesen Mann nicht ändern können, und habe einfach meinen Fokus auf die Bewohner gesetzt. Für sie lohnt sich jeder Stress und die Kleinen bauen dich schon mit einem einfachen Grinsen wieder auf! Ich habe mich also auch mit diesen Problematiken engagiert.
Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass es für mich jetzt ganz schön komisch ohne Miriam ist. Einmal ist es jetzt die doppelte Arbeit, die ich mache, aber das pack ich. Vielmehr fehlt mir der Austausch mit ihr, das gemeinsame Abhängen, es war eben echt ein schöner Luxus immer zu zweit zu sein. Jetzt bleibt mir irgendwie wieder mehr Zeit an mein Deutschland zu denken, an euch zu denken, ich habe nur noch 2,5 Tage die Woche eine deutsche Begleiterin zum sich Austauschen. Das nervt mich gerade etwas, aber ich weiß , dass ich mich auch damit arrangieren werde ;) Außerdem rede ich jetzt noch viel mehr mein dreckiges Französisch, was auf jeden Fall gut ist!
Naja und nächste Woche, kommt Sven mich ja dann auch schon besuchen und dann sollte das alles verflogen sein und der Besuchermarathon geht weiter J
Übrigens wird hier der erste Mai auch als Tag der Arbeit gefeiert und ich hatte ein langes Wochenende. Das habe ich ganz ruhig zum Mails schreiben (die ich nicht los werde), kochen, lesen und ausschlafen (das heißt hier bis 8Uhr schlafen) hgenutzt. Und ich habe mit Miriam noch ein kleines Picknick bei Fovu, den wundervollen Riesenfelsen in Baham gemacht.
Das war auch mal schön!
So, ich melde mich dann nach meinem Besuch wieder.
Liebste Grüße,
Eure ChrisTine
Deutschland in Kamerun 25.03. - 06.04.
Autor: Christine | Datum: 15 April 2012, 20:03 | 1 Kommentare
Die zwei Wochen vor Ostern waren meine Schwester Katha und ihr Verlobter Jannik bei mir zu Besuch. Ich war im Voraus schon extremst aufgeregt und habe das ganze Zentrum verrückt gemacht, in dem ich strahlend allen Leuten täglich 5mal erzählt habe, dass ich nach Douala fahre, um meine Familie abzuholen. Eigentlich konnte ich das erst richtig fassen, dass wirklich ein Teil meines Deutschlands mich in meinem Kamerun besuchen kommt, als ich die beiden dann endlich in den Armen hatte. Ich habe bei jedem weißen Paar, welches aus dem Flughafen kam, einen kurzen Herzinfarkt bekommen! So wie Katha und ich nun mal sind, war die Begrüßung ein emotionales Drama und wir sind uns weinend und lachend in die Arme gefallen. Die Kameruner, die um uns standen haben dieses Spektakel genaustens beobachtet und fast schon gefeiert, ich habe echt darauf gewartet, dass sie anfangen zu klatschen, das hätte super gepasst, aber vielleicht habe ich auch einfach zu viele Filme gesehen :P Nach einer Übernachtung im diesmal extremst heißen Douala, sind wir nach Baham aufgebrochen, wo wir in unserem Zentrum die erste Woche verbracht haben. Ich habe den beiden ein wenig meinen Alltag gezeigt, sie haben meine kamerunische Großfamilie kennen gelernt und wir haben Bafoussams Markt, einen Wasserfall und die traditionelle Stadt Foumban besichtigt. Die beiden erlebten kamerunische Taxifahrten, Busreisen und andere Skurrilitäten. Nach einer Woche haben wir uns dann in den Süd-Westen Kameruns aufgemacht, nach Buea. Wer bei meinen Blogeinträgen gut aufgepasst hat und ein gutes Gedächtnis hat, bei dem würde es jetzt klingeln….ja, richtig, in Buea ist der 4090m hohe Mount Cameroun, den ich im November bestiegen habe. Auch wenn meine Füße danach eine einzige angeschwollene, offene Blasen waren, hat mich dieser Berg mit seiner fantastischen Landschaft fasziniert. So sehr fasziniert, dass ich mit Katha und Jannik noch einmal eine Tour gemacht habe. Diesmal aber nur für 2 Tage auf eine Höhe von etwa 2080m. Dafür ist aber eben genau dieser Teil der steilste und anstrengendste der ganzen Besteigung. So ging es wieder erst durch den satten Regenwald und danach die Savanne hoch, über die erste Wolkendecke hinaus, bis zur Baumgrenze und schließlich zu unserer Schlafhütte. Für mich war dieser Teil dieses Mal glaube ich noch anstrengender, als im November und auch für Katha waren die zu bewältigenden Höhenmeter eine Herausforderung. Aber gemeinsam fluchend und liebevoll getrieben von Jannik und unserem Guide sind wir nach 6 Stunden am Nachmittag an der Schlafhütte angekommen. Dieses Gefühl ist einfach immer wieder toll, es geschafft zu haben, auch wenn man vorher eigentlich schon nicht mehr die Beine hoch heben konnte und dann da oben zu stehen, das ist einfach immer wieder überwältigend. Ich habe während des Aufstiegs immer wieder gesagt, dass ich das jetzt wirklich zum letzten Mal mache, aber irgendwie ist es auch einfach so ein Hammer Gefühl so über sich hinaus zu wachsen! :D Aber ein knall harter Porter wird aus mir niemals werde! Nach der authentischen Kletterer-Nacht auf einem Holzbrett ging es dann wieder die Savanne und durch den Regenwald runter bis nach Buea. Für mich ist es eine klare Sache, der Aufstieg ist eine Frage der Kondition und der Motivation, aber der Abstieg ist eindeutig eine Frage von gesunden Knien und Schuhen, die groß genug sind…der Abstieg ist wirklich nicht mein Ding! :P Jannik ging es da auf jeden Fall ähnlich wie mir, Katha dafür ist den Berg nur so herunter getänzelt ! Als wir dann am Montag glücklich und erschöpft wieder unten angekommen sind. Haben wir uns direkt aufgemacht, um nach Limbe zu fahren und uns in einem Schicken Hotel noch ein paar restliche, entspannte Strandtage zu gönnen. Der Strand ist schwarz, vom Vulkan (Mnt. Cameroun) und während man im warmen Atlantik seine Muskelkater geplagten Beine plantschen lässt, hat man einen beeindruckenden Blick auf die mit Regenwald bewachsene Ausläufer des Mount Camerouns, Fantastisch! Wir hatten ein Hotel mit direktem Strandzugang, gutem Restaurant und ein klimatisiertes Zimmer mit IMMER fließend Wasser! Dieses Hotel war so schnieke, dass ich schon einen kleinen Kulturschock hatte. Aber der wahre Kulturschock kam erst, als wir in Limbe bei ARNE’s Essen waren… abgesehen, dass dieses kleines Restaurant mit seiner offenen Bambusterrasse echt schön ist, wird es im Reiseführer für seine guten Burger gelobt. Und genau so einen Cheeseburger habe ich mir dann auch bestellt, Jannik ebenfalls und Katha bekam Pizza. Ich kann das gar nicht so beschreiben, aber es ist wirklich eine Sensation, in Kamerun Pizza und Burger zu bekommen und dann auch noch mit richtigem Käse!! Als uns das Essen gebracht wurde, kamen mir beim Anblick meines Burgers ernsthaft die Tränen, ich habe wegen eines Burger angefangen zu weinen :D Ich war echt aufgelöst, dieser Burger war… unbeschreiblich lecker! Ich war mir erst nicht sicher, ob es daran liegt, dass ich mich seit 7 Monaten von Schleimbrei und Bohnen ernähre, aber nein, Jannik hat nach seinem ersten Bissen auch gesagt, dass sei der bester Burger seines Lebens. Und Freunde, dieser Burger war es definitiv. Super leckeres Hefebrötchen, pikante Tomaten-Zwiebelsoße, Salat und Tomaten UND ein ordentliches Stück Fleisch, dick, saftig, zart, schmackhaft und belegt mit echtem Käse!!!! Wenn jemand auf der Suche nach dem besten Burger der Welt ist, ich behaupte ihn gefunden zu haben, in Limbe bei ARNE’s! Das mag vielleicht echt skurril klingen, wenn man das jetzt so liest, aber dafür hättet ihr das einfach erleben müssen :D Ich habe schon meine Reiseroute mit Sven umplant, damit ich ihm diesen Burger zeigen kann und dann kommt kein neuseeländischer Mega-Burger mehr dagegen an! Die Wette steht. Aber Schluss jetzt mit meinen kulinarischen Gelüsten. In Limbe haben wir uns noch das Wild Life Center abgeschaut, eine Auffangstation für Affen. Die werde so davor gerettet als Haustiere misshandelt zu werden oder letztlich auf dem Grill zu landen. Und ach ja, direkt neben diesem Wild Life Center ist ARNE’s Restaurant ;) Sprich, während wir diesen unglaublichen Burger gegessen haben, konnten wir den Gorilla Babies beim spielen zu gucken…..hm, das klingt jetzt irgendwie makaber. Aber egal. Am Karfreitag musste ich mich dann schon wieder von den beiden verabschieden. In dem Moment wäre ich echt am liebsten mit ins Flugzeug gestiegen und hätte Ostern liebend gerne im Kreise meiner Familie gefeiert mit Osterfeuer und Osterball, aber gut. Nach einem tränenreichen Abschied ging es für mich wieder nach Baham. Ostern war für mich ziemlich schlicht. Ich saß Sonntag 4 Stunden in der Kirche und nachmittags habe ich für die Kinder noch Süßigkeiten versteckt und sie suchen lassen, was ganz witzig war. Miriam hat die WOche noch 2 Paletten Eier mit Eierfarbe gefaerbt und die wurden dann auch noch versteckt und fleissig gesucht ;) Ich habe mich riesig über den Besuch von Katha und Jannik gefreut und bin sehr dankbar dafür, einen Teil meiner Familie mein Leben in Kamerun zeigen zu können. Es hat so gut getan, mal wieder richtig geknutscht und umarmt zu werden und einfach ein Stück zu Hause hier zu haben! Es waren 2 tolle Urlaubswochen für mich, danke für diese schöne Zeit!
Von Kaffe, Honig und anderen süßen Freuden
Autor: Christine | Datum: 25 März 2012, 03:56 | 2 Kommentare
Letztes Wochenende bin ich in ein schönes Dorf, Fondjomekwet, in die Berge gefahren, um dort bei der Kaffeverarbeitung zu helfen.
Ein kamerunischer Bremer, Morin, hat in Bremen eine Kaffeefirma, wo er fair-trade biologischen Kaffe aus Kamerun verarbeitet und verkauft.
Der Kaffe wird von Bauern in Bahams Umkreis geerntet und dann kommt er zu uns zur Auslese, so verdienen unsere Bewohner sich ein kleines Taschengeld.
Und Morin und zwei Bremer Studenten haben mich jetzt also ein Wochenende mit aufs Dorf genommen, wo ich den Ursprung des Kaffees entdecken konnte.
Ich stand an der Maschine, wo die Bohnen aus den Hülsen geholt werde, habe 70Kilo schwere Säcke geschleppt und durfte sogar die Waage bedienen. Ich habe offensichtlich in einem Männerjob gearbeitet und musste hart dafür kämpfen, dass ich die Waage ablesen durfte und das sogar aufschreiben durfte. Das war auf jeden Fall nicht leicht, weil kamerunische Männer/Arbeiter echte Machos sind und ich eine weiße Frau bin, die jawohl keine Ahnung davon hat wie man eine kamerunische Kaffeewaage abliest (übrigens nicht anders als andere Waagen!)
Aber letztlich haben wir uns den Respekt hart erarbeitet und irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass wir letztlich die Arbeit der Angestellten übernommen haben, die hatten nämlich den ganzen Samstag wohl Raucherpause.
Wie auch immer, ich habe mit Morin und den beiden Studenten Matthias und Wiebke echt liebe Bekanntschaften gemacht, hatte wieder ein Wochenende, an dem ich voll ins Schwitzen gekommen bin und bin wieder mal schlauer geworden!
Diese Woche kam unser Imker und hat die Honigwaben unserer kleinen Bienenfarm geerntet. So hatte ich wieder die Chance frischen, warmen Honig direkt aus der Wabe zu schlecken, köstlich! Am folgenden Tag haben wir die Waben dann gepresst.
Eine alte Honigpresse hat uns dabei geholfen. Aber erstmal mussten die gesammelten Honigwaben von den anhänglichen Bienen befreit werden, natürlich ohne besonderen Schutzkleidung. Aber auch das haben wir gut gemeistert und das Pressen war dann ein süßes Vergnügen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Bauchschmerzen angefangen haben, trop c’est trop, zu viel ist zu viel ;)
Unsere Küche war anschließend völlig klebrig und roch himmlisch Süß.
Unser eigener Honig hier ist wirklich der leckerste Honig, den ich je gegessen habe!
Jetzt ist schon wieder Wochenende und ich bin in Douala.
Ich war Samstagabend auf einem Konzert von dem Hip-Hop Musiker Akon. Ich bin da eher durch Zufall reingekommen, da andere Freiwillige die Karten umsonst bekommen haben und mit Miriam und mir dann dort hin gegangen sind. Vorher konnte ich kein Lied von Akon benennen und wusste eigentlich nur, dass es nicht meine Musik ist, aber letztlich war es echt witzig. Auch bei Konzerten von „Weltstars“ bleibt Kamerun immer noch Kamerun, so fing das Konzert mit vollen 4 Stunden Verspätung an und hatte so manch einen technischen Fehler intus, aber auch wenn ich mir den Künstler nie in Deutschland angesehen hätte, es war ein cooles Erlebnis und ich habe ein wenig Gangster-Doualas heikles Nachtleben kennen gelernt!
Sonntag hole ich wahrhaftig Katha und Jannik vom Flughafen ab und wir verbringen 2 unvergessliche Wochen gemeinsam in Kamerun. Für mich ist es eine riesen Chance einem Teil meiner Familie persönlich zeigen zu können und der Besuch aus Deutschland kommt für mich jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt.
Ich freue mich!!! J
Und wenn dann Ostern vor der Tür steht und ich zurück von meiner Schwestern-Reise bin, melde ich mich überglücklich wieder!
Bis dahin J
8.März - Weltfrauentag
Autor: Christine | Datum: 11 März 2012, 14:39 | 0 Kommentare
Obwohl es einer internationaler Feiertag ist, habe ich dieses Jahr in Kamerun zum ersten mal den Weltfrauentag gefeiert.
Schon die ganze Woche zuvor wurden überall Sitzungen gehalten, in denen über die Stellung der Frau, gesellschaftliche Probleme und ähnliches diskutiert wurde. Auch bei uns im Zentrum wurde so eine Sitzung abgehalten. Viele Frauen sind in ihren besten Kostümen hergekommen und dann haben sich 4 Männer vor die Menge gesetzt und Reden über Frauen gehalten. Ich bin ja eher davon ausgegangen, dass die Frauen selbst diskutieren, sich gegenseitig emanzipatorische Beispiele sind und eben untereinander reflektieren. Aber ironischer Weise waren es wieder die führenden Männer die uns Vorträge über die Aufgaben der Frau gehalten haben. Dazu wurde immer wieder betont, dass die Frau dem Mann gleichgestellt ist, sie also die gleichen Rechte und Aufgaben hat. Die Frau ist die Mutter und wird dafür hier besonders geehrt, was ich eigentlich eine schöne Eigenart finde. Eine Mutter ist hier heilig und auch wenn der Mann vielleicht über sie entscheidet ist sie diejenige die das Leben schenkt.
Die klassischen Rollenverständnisse in dieser Kultur sind mir zwar bewusst, aber es war für mich trotzdem erschreckend das so mit zu erleben, da komme ich einfach schon aus einer deutlich emanzipierteren Gesellschaft und bin dankbar dafür. Als dann schließlich dafür laut applaudiert wurde, dass die Frau auch selbstständig leben können muss, also eine (schulische) Ausbildung macht und sich da also alle einig waren, war ich gespannt wie das Ganze am eigentlich Weltfrauentag seinen Höhepunkt findet.
Das war letztlich eine ausgelassene Feierei der Frauen. Anlässlich des 8.März gibt es jedes Jahr einen extra Stoff, woraus sich die Frauen dann die verschiedensten Kleider nähen lassen haben. Es wurde gesungen, getanzt und natürlich auch wieder Reden gehalten.
Es war eine ausgelassene Stimmung und Frauen wissen einfach wie man feiert.
Ich fand es letztlich eine schöne Tradition diesen Tag zu würdigen und vielleicht führe ich das mit meinen Frauen zu Hause ja auch noch ein ;)
Apropos Frauen: Die Feldarbeit fällt hier klar in den Aufgabenbereich der Frau. Und da ich dieses Wochenende nicht weiter verreist bin, habe ich den Samstag mit MaDé und Christelle auf dem Feld verbracht. Morgens um 6 gings also los, mit Spitzhacke und komisch kurzer, krummer Schippe haben wir den Acker umgepflügt. Wir haben Spargel-ähnliche Reihen aufgestaut um später Erdnüsse, Bohnen und Mais zu sähen. Das Feld ist wirklich riesig und die Arbeit war unglaublich anstrengend. Ich stand einfach die ganze Zeit gebückt über der roten Erde, welche alles zu gestaubt hat. Der rote Erdenstaub hat sich lecker mit meinem Schweiß vermischt aber zum Glück hatten wir Samstag Abend fließend Wasser, ich hab keine Hanung wie ich mich mit bloßer Eimerdusche sauber gekommen hätte :P
Nach 6 Stunden Feldarbeit, war die Mittagssonne zu heiß für mich und meine Hände übersäht mit (blutigen) Blasen. So habe ich dann also schon Feierabend gemacht und bin zurück ins Zentrum gefahren. Die anderen haben noch bis zum Sonnenuntergang weiter geackert, Kamerunerinnen sind echt stark! Aber MaDé war sehr stolz auf mich, dass ich diese anstrengende Feldarbeit so lange durchgehalten habe. Ich bin damit offiziell die erste Freiwillige, die diese Arbeit gemacht hat!
Im Zentrum habe ich dann erstmal direkt meine Wäsche gewaschen. Die rote Erde war wirklich überall und ich musste noch nie meine Unterwäsche so schrubben! Meine Socken war dermaßen rot verdreckt, dass ich mich spontan dazu entschlossen habe sie nicht mehr zu waschen, sondern gleich weg zu schmeißen. So viel Dekadenz muss sein.
Ja und heute habe ich dann Muskelkater ungefähr an jedem Muskel meines Körpers.
Mal sehen, ob ich das so schnell wieder mache ;)
Wie wir deutschen Karneval nach Kamerun brachten…
Autor: Christine | Datum: 04 März 2012, 18:21 | 0 Kommentare
Ich hätte dann doch noch mal kurz etwas zu meinem letzten Bericht hinzuzufügen.
Nachdem ich also eine Larve aus meinem Zeh geschnitten habe, musste ich gestern (Freitag) Nacht noch mit einer Bewohnerin ins Krankenhaus rennen, weil sich ein Insekt in ihr Ohr verirrt hatte. So habe ich also mit einem gehfähigen Bewohnern Vivianne im Rollstuhl den Berg hoch geschoben, wir haben um 21:30Uhr beim Doktor an der Haustür geklopft, der dann schließlich im Krankenhaus neben an mit einer Pinzette, ein dickes Fliegenvieh aus Viviannes Ohr gezogen hat. Das Ganze war dann auch wieder schnell vorbei und kein Problem.
Heute (Samstag) Morgen habe ich dann unseren Salon durch gefegt und als ich dann angefangen habe zu wischen, kommt aus einer Ecke
eine Schlange gezischelt, eine Schlange, in meinem Wohnzimmer!
Ich habe dann erstmal losgeschrien und beschützend wie unsere männlichen Bewohner hier sind, kam dann auch der erste direkt mit der Machete rein gerannt. So tapfer er mit der Machete hereingestürmt kam, so schnell ist er beim Anblick der Schlange dann auch wieder geflüchtet, ja Danke:D Als die Nachricht meiner neuen Mitbewohnerin dann die Runde gemacht hat, diskutierten alle, wie wir jetzt weiter machen würden (ich war dafür, unseren Kater auf die Schlange los zu lassen, aber wäre Miri da, hätte sie wohl eher mich auf die Schlange losgelassen! :P).
Letztlich kam Raoul einfach im Rollstuhl mit einem fetten Baumstamm angerollt und hat damit einfach auf die Schlange eingeschlagen, bis mein Salon voll gematscht war und die Schlange sich nicht mehr regte. So durfte ich also heute morgen, vor meinem Frühstück schon Schlangen-matsche wegwischen!
(das Bild einer gefährlichen afrikanischen Riesen-Schlange in euren Köpfen löse ich besser mal damit auf, dass ich erkläre, dass die Schlange letztlich nur 30cm lang und vielleicht 1cm dick war. Aber sie war echt angriffslustig!)
Also diese Woche kriege ich echt viele kamerunische Kriechtiere nahe gebracht, gerade dann, wenn Miriam mit ihrem Freund durchs Land reist. Aber jede einzelne dieser Erfahrungen ist gewiss eine gute Story für meine Enkelkinder später! :D
Wenn auch etwas verspätet, so habe ich mit Miriam und ihrem Freund, der gerade zu Besuch ist, letzten Sonntag deutsche Karnevals-Kultur nach Baham gebracht. Eigentlich hat das Ganze eher einem bunten Kindergeburtstag geähnelt, aber es war echt amüsant!
Miriam hat sich extra das Krapfenrezept von ihrer Mutter schicken lassen und wir haben alles Mögliche für unsere Sause eingekauft.
Wir haben dann mittags also erst versucht die Krapfen zu backen, wie gesagt: versucht…:D
Mangels Waage oder anderen Messgeräten, musste Miriam aus reiner Erfahrung die Zutatenmengen abschätzen und so den Teig irgendwie anrühren. Dann haben wir die Krapfen frittiert. Aber irgendwie ist das mit einem Gasherd relativ schwierig, da man die Temperatur nur schwer regulieren kann. So war das Fett durchgehend viel zu heiß, wodurch die Krapfen dann von Außen viel zu schnell viel zu dunkel wurden. Nach der dritten Fuhre, die wir schon frittiert haben, bemerkten wir dann, dass unsere Krapfen von außen kamerunische Hautfarbe angenommen hatten, von Innen aber immer noch roh waren. Bis wir das aber bemerkten, waren unsere Krapfen aber alle schon mit Marmelade gefüllt.
Ich war dann dafür, sie trotzdem so an unsere Bewohner zu verteilen und weil das Innere komisch schmeckte, einfach noch mehr lecker Marmelade rein zu spritzen, und so wurde dann auch gemacht.
(Übrigens spritzen im wahrsten Sinne des Wortes: mangels Marmeladen-Spritz-Filter-Dingens haben wir aus unserem 1.Hilfe-Kasten eine Spritze genommen und damit die Konfitüre in unsere schwarz-rohen Krapfen gefüllt, Afrika macht erfinderisch!)
Die nächsten Teigfuhren haben wir dann die Krapfen kleiner gerollt, in der Hoffnung, sie würden dann gar werde, PUSTEKUCHEN!
Mal wieder eine typisch chaotisch und improvisatorische Situation für uns Kamerun-Freiwillige!
So ging also irgendwann unser kamerunisches Karneval los.
Miriam, Friedrich und ich mit Brillen und Hüten bewaffnet und die Kinder hatten Papptellermasken, alles natürlich selbst gebastelt!! So sahen wir dann alle angemessen bescheuert aus und dann wurde getanzt und gefeiert. Wir haben einen Tanzwettbewerb veranstaltet, Topfschlagen gespielt und haben Stopptanzen gemacht und natürlich durfte auch unsere Rollstuhl-Krücken-Polonäse nicht fehlen!
Bei den Spielen konnten die Kinder laute, nervige Tröten gewinnen, die uns noch eine Woche später bis in die Nacht verfolgten.
Und auch unsere Krapfen und Limoande haben die Kinder irgendwie runter gekriegt und es hat sich niemand über Bauchschmerzen beklagt (nur, dass zu viel Marmelade drin sei:D)
Es war echt ein lustiger, bunter Sonntagnachmittag und die Kinder haben sich herzlichst für unser Karnevalsfest bedankt. Und auch mir hat es Spaß gemacht, den Bewohnern so eine Freude zu bereiten.
Schön war mein kamerunischer Karneval!